Geboren aus der Unendlichkeit

Geboren aus der Unendlichkeit

Geboren aus der Unendlichkeit - Die heiligen Steine

5.7. Die heiligen Steine

Aug. 07, 2026
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Bildidee von mir - umgesetzt mit Hilfe von ChatGPt (KI von OpenAI)

Der Blick zurück:

Thorres Kriegerseele begann sich zu melden. Und das war viel mehr, als nur eine Erinnerung. Er begann zu spüren, was ihn einst ausgemacht hatte.

Die heiligen Steine

„Wird er sich dieses Mal nicht nur erinnern, sondern auch dementsprechend handeln?“ Die Stimmen seiner alten Gefährten schwiegen für einen Moment. Selten lag so viel Gewicht in einer so einfachen Frage. Sie wussten nur zu gut, wie schnell das Erinnern wieder dem Vergessen wich.

Thorre begann, sich zunehmend an seine früheren Leben zu erinnern. Nicht, weil er gezielt darüber nachdachte. Vielmehr drängten diese Erinnerungen von selbst in sein Bewusstsein. Das Zusammensein mit Alenah berührte etwas in ihm. Manchmal war es ein Wort, eine Geste oder ein Thema, und plötzlich fluteten Bilder aus längst vergangenen Zeiten in sein Bewusstsein.

Manche der hochgekommenen Erinnerungen waren schmerzhaft. So auch die Erinnerung an Maybell, die einen bitteren Schmerz zurückkehren ließ und zugleich eine neue Angst aufwarf. Vielleicht war es besser, dass die Bilder nur bruchstückhaft auftauchten und sich dann wieder verzogen.

Doch einige davon waren auch angenehm. So wie der Kampf der Krieger. Für einen kurzen Moment spürte er wieder den Kontakt zu seiner ursprünglichen Stärke. Eine mentale und körperliche Kraft, die aus jahrzehntelangem Training entsprang. Von seiner einstigen Stärke war er inzwischen jedoch ziemlich weit entfernt. Dieses Leben stand nicht im Dienste des Trainings. Damals hatte er nichts anderes zu tun, als seine Fähigkeiten zu trainieren. Und so gut es auch tat, diese alte Stärke in sich zu spüren, so schmerzhaft war der Vergleich mit seiner gegenwärtigen Situation.

Für eine kurze Weile blieb die Erinnerung an das Leben als Krieger präsent. Doch bald verflüchtigte sie sich wieder im Sand des Alltags. Berufliches drängte sich vor und brachte ihn erneut in Alenahs Nähe. Zu dieser Zeit fand in einer nahe gelegenen Stadt eine Steinmesse statt. Passend zu seiner Idee, seinen Garten in einen zenähnlichen Ort mit Wasser und Steinen zu verwandeln, schlug er Alenah vor, ihn zu begleiten.

Die Messe war gut besucht. Es waren viele Menschen dort und alles funkelte. Die Händler hatten ihre Verkaufstische aufgebaut, auf denen sich Steine in allen Größen, Formen und Farben stapelten: lose Edelsteine, Ketten oder roh belassene Kristalle. Suchend ließ Thorre seinen Blick durch die Halle gleiten, bis er den Verkäufer entdeckte, den er im Sinn gehabt hatte. Zielstrebig ging er auf dessen Stand zu.

Alenah schlenderte durch die Gänge und beobachtete die Verkäufer. Die meisten wirkten gierig, manche sogar verschlagen, wie Trickbetrüger. Nur an wenigen Tischen spürte sie etwas Echtes. Sie kannte sich mit Steinen nicht aus, doch sie konnte ihre Wirkung spüren. Und manchmal spürte sie sogar mehr. Da spürte sie auch ihre Geschichte. Auch wenn sie nun gewaschen waren und auf den Tischen glitzerten, waren viele dieser Steine in Blut getränkt worden. Von wunden Kinderhänden aus gefährlichen Minen getragen. Aus dem Elend geborgen.

Ein Stein an einem Stand irritierte sie besonders. Er war durchscheinend und hatte dieses fahle Gelb, das fast schon ein wenig grünlich wirkte. Angeblich stammte er aus Sri Lanka … und er stank. Nicht unangenehm, sondern abstoßend. Er trug etwas in sich, das wie ein übler Atem war. Alenah hatte nicht gewusst, dass Steine so übel riechen konnten.

Während sie weiter die Stände entlangschlenderte, fiel ihr wieder einmal auf, dass sie anders reagierte als ihre Mitmenschen. Die Menschen um sie herum sahen nur die Schönheit der Steine. Sie erkannten ihren Wert, aber nicht den Schmerz, den sie in sich trugen. Manche Steine hielten den Verrat eines Diebstahls in sich, andere den Schmerz, den der gewaltsame Abbau in ihnen hinterlassen hatte. Viele waren leblos und wurden dennoch als Steine mit besonderen Heilkräften angepriesen.

Sie suchte nach Thorre und fand ihn schließlich im Gespräch mit einem Händler, der wie ein Wiesel wirkte. Auf seinem Tisch lagen keine funkelnden Schmuckstücke, sondern größere, rohe Steine. Passend für seinen Garten.

Dann erblickte sie sie. Etwas entfernt von Thorre, am Ende des Tisches. Es waren unscheinbare, dunkle Kugeln, die lieblos in eine Ecke geworfen worden waren. Kaum jemand beachtete sie. Das war für sie nicht verwunderlich. Denn neben ihnen stand eine große, düster wirkende Gestalt. Ein Wesen, das wie ein grimmiger Wächter wirkte. Sein starrer Blick war auf die Steine gerichtet.

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